Geschichten aus dem Reich der Immen

Imkeralltag

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Kapitel 41: Urlaub - ein schwieriges Thema
Kapitel 42: Das Imkermobil
Kapitel 43: Frühjahrsputz
Kapitel 44: Nur noch ein Kapitelchen
Kapitel 45: Doch noch eine Geschichte

Kapitel 46: Alles Ansichtssache
 
 
 
 

Kapitel 47: Glückskind ...

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Kapitel 46: Alles Ansichtssache

Mai 2016, die Bienen fliegen seit Wochen aus und tragen auch fleißig Nektar ein. Die Honigzargen werden langsam voll. Also müssen die Völker erweitert werden, sprich sie brauchen eine weitere Honigzarge, wissen ansonsten gar nicht mehr wohin mit all den Vorräten. Mein Imker kommt vom Huckepackgelände zurück. Er hatte sich diese Arbeit für heute vorgenommen.

"Stell Dir vor" erzählt er mir "ich musste heute Flächen sperren. Keine Ahnung, was die Mädels heute haben. Das Wetter ist gut, 25 Grad bei Sonnenschein, an solchen Tagen sind sie eigentlich ausnahmslos gut drauf und friedlich, weil beschäftigt. Ich stieg am ersten Bienenwagen aus dem Auto aus und bis ich meinen Schleier übergezogen hatte, haben mich bereits drei Stück gestochen. So etwas habe ich noch nicht erlebt. In zehn Meter Entfernung vom Wagen haben sie mich noch verfolgt und angegriffen."

Er kann die Vorgänge im Moment nicht nachvollziehen und mutmaßt, das evtl. das naheliegende Rapsfeld in Blüte mit Herbiziden/Insektizieden gespritzt wurde und die Bienen dadurch in Mitleidenschaft gezogen wurden. Genaues wissen wir jedoch nicht, allerdings kommen uns sofort diverse Filmberichte über den Einsatz bienenschädlicher Spritzmittel in der Landwirtschaft in den Sinn.

Leider wurden auch bereits Kunden von Huckepack, die sich auf dem Gelände zum Ernten aufhielten, gestochen. Ein junger Mann beschwerte sich: Die Bienen seien heute aggressiv!

Einer der Landarbeiter drückte sich anders aus: Die Bienen seien heute nervös.

Wieder einmal wird uns die unterschiedliche Lebensweise der Menschen bewußt. Der Stadtmensch, der das Leben mit der Natur ein ganzes Stück weit hinter sich gelassen hat, bezeichnet sie als "aggressiv" - der rumänische Landarbeiter aus bäuerlichen Verhältnissen, der sein Leben mit und in der Natur verbringt, bezeichnet sie als "nervös".

Hochinteressant.

Fürth, 21.07.18
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Kapitel 45: Doch noch eine Geschichte

Ungefähr eine Woche später steht noch einmal eine Umräumaktion an.

Zunächst widme ich mich den Anpflanzungen, die wir stellenweise im zeitigen Frühjahr vorgenommen hatten. Auf einem breiten Streifen haben wir junge Becherpflanzen gesetzt.

Becherpflanze oder auch durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum). Diese Pflanze liegt uns Beiden sehr am Herzen, da sie ein echter Tausendsassa ist.

Es handelt sich um eine mehrjährige, winterharte Staude, einen Korbblütler. Sie wird bis zu drei Meter hoch, blüht gelb wie kleine Sonnenblumen und ist ab dem zweiten Jahr, wenn sie gut eingewachsen ist, äußerst trockenheitsverträglich.

Sie kann in der Landwirtschaft als Futter- und Silagepflanze angebaut werden und eignet sich sehr gut als Grünfutter für Kaninchen, Meerschweinchen, Schafe und Ziegen.

Ferner stellt sie als Energiepflanze eine echte Alternative zum Mais dar! Denn: Sie liefert nicht nur eine dem Energiemais vergleichbare Biogasausbeute, sondern ist zudem eine gute Bienenweide.

Unsere grünen Agragwüsten könnten durchaus eine einerseits optische Auflockerung gebrauchen, andererseits dadurch der heimischen Fauna von Nutzen sein.

Wer Interesse hat: Saatgut ist bei uns immer vorhanden

Ich versorge die jungen Pflänzchen mit Wasser und befreie den Pflanzstreifen grob von Unkraut, damit die Silphien eine Chance haben.

Dann braucht mich mein Imker, es müssen zwei Bienenvölker in den Bus verfrachtet werden und zu zweit trägt sich so eine Beute einfach leichter. Und da passiert es: ICH stolpere beim Tragen über ein Loch in der Wiese, komme ins Straucheln und lege mich strecksderlängs auf die Nase.

Das kommt davon, wenn man Anderen aus purer Sensationslust solche Vorfälle wünscht ... Vielleicht sollte ich das Schreiben als "rasende Reporterin" einstellen?

Fürth, 10.05.18
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Kapitel 44: Nur noch ein Kapitelchen

Februar 2016: Ich bin auf die Idee gekommen, unter die Schriftsteller zu gehen und kleine Imkergeschichten zu schreiben. Einen Einblick zu geben, wie es bei Imkers so zu geht. Mit Feuereifer bin ich bei der Sache und die Geschichten sprudeln nur so aus mir heraus. Ist halt auch schon viel passiert, in fast 15 Jahren.

Zunächst 14-tägig möchte ich meine Leser mit neuem Lesestoff versorgen.

10 Wochen später konnte ich bereits die ersten sechs Kapitel online stellen, bekomme durchwegs positives Feedback aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und die nächsten 38 Anekdoten sind bereits zu Papier bzw. PC gebracht. Sehr gut, das verschafft mir Luft nach vorne und ich kann meinen Zeitplan einhalten, ohne mir krampfhaft etwas aus den Fingern saugen zu müssen.

Der Imker will sich heute Abend noch einmal aufmachen und Material aus dem Imkermobil auf diverse Bienenwägen verteilen. Ob ich mitkäme, frische Luft schnappen und ein wenig helfen. Damit er nicht so oft laufen muss.

Ja, ich komme mit - aber nur, wenn eine Geschichte dabei für mich rausspringt.

Er sieht mich verständnislos an. "Wie soll das aussehen?"

"Naja, ne kleine Schwalbe beim Ausladen oder so. Vorzugsweise in eine Pfütze ..."

Was ich jetzt nicht verstehe ist, warum ich den Foto nicht mitnehmen darf!

Inzwischen ist die Aktion abgeschlossen, wir sind wieder zuhause, bei einem gepflegten Glas Wein. Trotz Lauerhaltung während des Ausladens ist mir leider kein neues Kapitel vor die Füße gefallen.

Und so wurde die Geschichte über die gewünschte Geschichte zum neuen Kapitel.

Fürth, 20.02.16
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Kapitel 43: Frühjahrsputz

Es ist Frühjahr, die Tage sind nun schon deutlich länger, die Temperaturen klettern immer öfter in den zweistelligen Bereich. Eine erste Bestandsaufnahme hat der Imker dieses Jahr bereits gemacht, die Winterverluste zur Kenntnis genommen, er freut sich über die Völker, die überlebt, sprich, gut ausgewintert haben.

Heute stehen erste Völkerdurchsichten mit diversen Aufräumungsarbeiten auf dem Plan.

Er knöpft sich den ersten Beutenturm vor, nimmt den Deckel ab, schaut sich jede einzelne Wabe an:

  • Wurde das Futter verbraucht?
  • Ist etwas schlecht geworden?
  • Sind Anzeichen für Krankheiten vorhanden?
  • Legt die Königin bereits Eier - ist schon Brut vorhanden?

Er baut den Turm Zarge für Zarge ab, stellt alles zur Seite, bis er beim Bodenbrett ankommt. Auf dem Bodenbrett liegen immer eine handvoll toter Bienen, die sich den Winter über aufgearbeitet haben. Die müssen entfernt und quasi "einmal durchgefegt" werden.

Die Waben werden neu sortiert, so dass das Volk neu durchstarten kann.

Die Bienen verbleiben zum Teil in den zur Seite gestellten Kästen, zum Teil fliegen sie auf, orientieren sich in der Luft und möchten gerne durch ihr Flugloch wieder "einsteigen". Aber hoppla? Da stand doch bis gerade eben noch unser Zuhause???

Der Imker steht hinter dem leergeräumten Bodenbrett, ihm gegenüber, vor dem Bodenbrett hat sich in Fluglochhöhe eine kleine, "verwunderte Bienenwolke" in der Luft gebildet, die es noch immer nicht fassen kann.

Der Imker stellt die erste Zarge auf das Bodenbrett, die zweite Zarge, Deckel drauf. Und - haste nicht gesehen - landet die gesammelte Bienenwolke nach und nach auf dem Anflugbrett und spaziert, Bienchen für Bienchen, flugs zurück in den Bienenkasten. Fast wie ein Staubsauger saugt der Kasten seine Bewohner wieder ein.

Faszinierend.

Fürth, 31.01.18
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Kapitel 42: Das Imkermobil

Zu Beginn der imkerlichen Tätigkeit meines Mannes gab es lediglich unseren PKW. Wie bereits erwähnt, war der Kofferraum stets voll mit imkerlichen Gerätschaften und Zargen. Die Utensilien ergossen sich in manchen Zeiten bis auf die Rücksitzbank und wenn es nach einer Familienfeier galt, eine Oma oder Tante nach Hause zu fahren, mussten immer erst größere Umräumaktionen erfolgen, um überhaupt Platz für einen weiteren Insassen zu schaffen.

Als unser jüngerer Sohn seinen Führerschein hatte, verkündete er, er wäre gar nicht scharf darauf, die rollende Werkzeugkiste zu fahren.

Für etwas Entlastung sorgte ein in der Folge angschaffter KfZ-Anhänger, somit blieb meist zumindest der Rücksitz frei und die Sitzbezüge litten nicht mehr ganz so sehr.

Irgendwann kam der Imker dann auf die Idee, er bräuchte ein gesondertes Fahrzeug. Wir durchforsteten das Internet auf der Suche nach einem geeigneten Vehikel und stießen auf die kuriosesten Variationen, über die wir unsere Witze machten.

Ein Dreirad, wie aus der Pizza-Werbung. Er bekommt noch eine Glocke in die Hand zum Schwenken und kann losziehen und Honig ausfahren.

Letztendlich haben wir uns für einen der kleineren Transporter/Sprinter entschieden und Papa freute sich über sein "Papamobil", wie er es nannte, sein "Imkermobil", seinen "Lastwagen", wobei ich letzteres für etwas übertrieben halte. Für mich ist das der "Bus".

Er liebt den Bus! "Welches Auto nehmen wir?" Wenn ich diese Frage mit "Mir egal" beantworte ist alles klar. Wir nehmen den Bus!

Er wurde dann noch beklebt, damit ein echtes Imkermobil daraus wird und seitdem besitzen wir tatsächlich wieder einen PKW mit benutzbarem Kofferraum.

Fürth, 31.12.17
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Kapitel 41: Urlaub - Ein schwieriges Thema

Im Sommer wegzufahren ist für uns kaum drin! Völkervermehrung - Königinnenzucht - Schwarmverhinderung und Schwarmfang - Honigernte - Auffütterung. Alle diese Tätigkeiten erfordern die unbedingte Anwesenheit des Imkers von April bis September.

Also haben wir es uns zuhause so eingerichtet, dass man sich auch hier gut erholen kann.

  • ER entspannt bei der Arbeit mit und an den Bienen - kann einfach nicht stillsitzen, der Mann.
  • ICH pflege und genieße meinen Garten. Pflanze ein, aus und um; säe und jäte; plane und führe neue Gartenprojekte durch - da fällt mal hier eine Konifere, es entsteht dort ein neues Beet.

Meinen Pflanzenreichtum während meiner Abwesenheit adäquat zu wässern, kann ich sowieso Niemandem zumuten. Da ist es besser, ich bleibe hier, damit alles so versorgt wird, wie ich mir das vorstelle.

Im Jahr 2010 haben wir jedoch einen gewagten Vorstoß unternommen und tatsächlich eine 10-tägige Irland-Rundreise für Ende März/Anfang April gebucht. Der Norden ist einfach unser Ding und nachdem in unser beider beruflichen Umfeldern und auch zuhause alles perfekt geregelt und die Koffer bereits so gut wie gepackt waren, brach auf Island der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen aus und wir konnten nicht fliegen.

Es sollte einfach nicht sein, dass wir hier wegkommen.

Von einem Teil des gesparten Geldes habe ich eine Hängeschaukel für den Garten gekauft, machen wir es uns eben wieder einmal hier gemütlich!

Fürth, 29.11.17
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Wenn Sie Spaß am Lesen hatten, sind sie herzlich eingeladen, uns in Minerva´s Gartenforum zu treffen. Wir freuen uns über Austausch, insbesondere natürlich zum Thema "Die fantastische Welt der Bienen".